„IN TEMPORE QUADRAGESIMA“

Vokal- und Orgelmusik in der Fastenzeit

Es ist schon gute Tradition, dass unser Kirchenmusiker Karl-Hans Gehr zu einer musikalischen Stunde „In Tempore Quadragesima“, zur vierzigtägigen Fastenzeit also, in die Pfarrkirche lädt. Zur vielfältigen Art und Weise, sich auf das Leiden und Sterben des Herrn und seine Auferstehung vorzubereiten, gehört eben auch, in den alltäglichen Abläufen inne zu halten und Musik zur Fastenzeit zu hören. Umso schöner, wenn diese Musik am Abend des Sonntags Laetare – „Freue Dich“ – erklingt, an dem die Vorfreude auf das Osterfest schon spürbar wird.

Kraftvoll begann Karl-Hans Gehr die musikalische Stunde mit der Fuga in h-Moll von Johann Sebastian Bach, mit der nicht nur das ausdifferenzierte Können unseres Organisten deutlich wurde, sondern auch die klangfarblich schöne Disposition unserer Orgel aus der Werkstatt Klais in Bonn überzeugend aufschien. Kontrapunktisch war der Fuge der Orgelchoral „Herzlich thut mich verlangen“ gegenüber gestellt, was der aufwühlenden Fuge einen versöhnlichen Ausklang verschaffte und hinüber leitete zur Solomotette für Sopran und Orgel „Panis angelicus“ von Marc-Antoine Charpentier. Das „Brot der Engel“ wurde uns dargebracht von der jungen Sopranistin Ulrike Barth, die in Potsdam Musik studiert hat und mit ihrer strahlenden Stimme das Leuchten des Ostermorgens vorwegnahm. Die französische Eleganz dieses Stücks aus dem 17. Jhd. spiegelte sich in der offensichtlichen Musizierfreude der beiden Künstler und traf sich aufs beste mit dem Lichtspiel der Sonne in den Kirchenfenstern.

Zwei weitere Werke wurden von Ulrike Barth vorgetragen, ein Misericordia von Heinrich Schütz sowie zwei Stücke aus der Missa Puerorum von Josef Rheinberger. Beide Male gestaltete sie die Werke gewohnt souverän, obwohl ihr die Werke von der Tonlage her nicht entgegen kamen. Vor allem beim Agnus Dei der Rheinberger-Messe brach sich dann die Musizierlust wieder die Bahn, so dass mit dem Dona nobis pacem nochmals ein Aufleuchten durch den Kirchraum ging.

Vorher hatte Karl-Hans Gehr einen Hymnus mit sieben Versetten von Samuel Scheidt auf der Orgel gespielt, der im Titel zwar vom „Licht“ sprach, aber in eher düsterem Gewande daher kam. Diese geistlichen Reflexionen der ausgehenden Renaissance atmen doch stark das Umfeld von muffigen schwarzen Talaren und steifen weißen Halskrausen.

Ganz anders hingegen Gehrs Eigenkomposition, der Orgelchoral „Aus tiefer Not schrei ich zu dir“. In sich überlagernden Sequenzen baut sich die Not der Menschen auf, der Drang nach Erlösung wird übermächtig, ohne gestillt zu werden. In einem Zwischensatz drückt sich stilles Dulden aus, bis schließlich im Schlusssatz „in Organo Pleno“ die Wucht der Not auf die Gnade der Erlösung trifft. Mit kräftigen, zuweilen brutalen musikalischen Pinselstrichen entwirft Gehr ein Gemälde menschlicher Verzweiflung und göttlicher Hinwendung, das in einem strahlenden E-Dur Akkord seine Erfüllung findet.

Der Schlussteil des Konzertes stellte wie schon zu Beginn einen Orgelchoral einer Fuge gegenüber, letztere diesmal eingeleitet durch eine Toccata. Max Reger, von Karl-Hans Gehr wiederum überzeugend und entsprechend der manchmal deftigen Kompositionsweise des gebürtigen Oberpfälzers durchaus passend intoniert, war der Komponist der beiden Werke, die der sonntäglichen Stunde eine letzte Struktur gaben und einen hinaus begleiteten in einen milden Abend, an dem sich der kommende Frühling schon ahnen ließ.

Sie bedauern es, dass Sie nicht dabei gewesen sind? Ich auch. Denn insgesamt waren wir 16 Personen im Kirchenraum, die Aufführenden und ihre Angehörigen schon mitgezählt. Blieben dann noch ein gestrenger St. Otto, eine Maria mit Kind und natürlich unser Heiland, der wie immer milde vom Kreuzesholz herab lächelte...

                        Dr. Anton Markmiller

 


 Schreiben Sie uns

Ihre Wünsche und Anregungen an  klaus.bergenthal@t-online.de