Leben in Einer Welt

Was hat die Börse in New York

mit Don Felix´ neuem Dach zu tun?

Zufrieden schaut Felix Zeledon Yimenez auf seine Kaffeepflanzen. Die Büsche mit den kräftig dunkelgrünen Blättern sind in gutem Zustand, keine Spur von Krankheiten. In etwa einem Monat fängt die Ernte an. Dann wird Felix gemeinsam mit seinem Schwager und einigen Erntehelfern von Morgengrauen bis Sonnenuntergang auf dem Feld sein und die reifen Kaffeekirschen pflücken, während seine Frau Benilda das Essen für die Männer zubereitet.

Für Vater Felix ist jetzt vor allem eines spannend: Die Entwicklung der Kaffeepreise. Jeden Abend schaltet er den kleinen Fernseher in seiner Wohnstube an, um zu sehen, was das costaricanische Kaffeeinstitut von der New Yorker Börse meldet. Ein paar Dollar mehr oder weniger entscheiden darüber, ob der Erlös aus der diesjährigen Ernte ausreichen wird, um das Dach an seinem Haus zu reparieren.

Letztes Jahr hatte Felix Glück: Der Weltmarktpreis für Arabica-Rohkaffee war nach Jahren des absoluten Tiefstandes in die Höhe geschnellt, so dass er gutes Geld verdienen konnte. Das Hoch war allerdings nur kurzfristig; inzwischen hat sich der Preis wieder auf einem sehr viel niedrigeren Niveau eingependelt. Sorgen um sein Auskommen muss sich die Familie aber dennoch nicht machen, denn sie verkauft den Kaffee an ihre Kooperative Pilangosta, die ihnen auch in ganz schlechten Zeiten noch einen wenigstens kostendeckenden Preis zahlen konnte. Möglich ist das nur, weil die `Coope´ über den Dachverband COOCAFE Zugang zum fairen Handel hat: Die Fairhändler in Europa wie die gepa zahlen ihren Partnern einen garantierten Mindestpreis plus Aufschlag.

Damit ist das wirtschaftliche Überleben gesichert, große Sprünge sind allerdings nicht drin. Und deshalb hofft nicht nur Felix Zeledon Yimenez, dass der Kaffeepreis bis zur Ernte noch ein bisschen in die Höhe klettert....

Anders als Felix Zeledon Yimenez aus der costaricanischen Provinz Guanacaste haben viele unorganisierte Kleinbauern keine Chance, einen kostendeckenden Preis für ihren Kaffee zu bekommen. Oft wissen sie nicht einmal, wie hoch der Weltmarktpreis ist – wer in weit abgelegenen Dörfern ohne Stromanschluss lebt, kann sich nicht über Radio oder Fernsehen informieren, und Zeitungen nützen nur dem, der sie auch lesen kann. Der einzelne Kleinbauer verfügt zudem meist nicht über die Möglichkeit, seine Kaffee-Ernte selbst zur nächsten Verkaufsstelle zu transportieren, sondern ist auf Zwischenhändler angewiesen. Immer mehr Produzenten organisieren sich deshalb in Genossenschaften, die ihnen bei der Vermarktung helfen. Die gepa handelt mit inzwischen 28 solcher Kleinbauernzusammenschlüsse in Afrika und Mittel- und Südamerika. Durch den Direkthandel werden die Zwischenhändler ausgeschlossen; so erhalten die einzelnen Bauern einen höheren Preis. Bei Bedarf, d.h. bei fast allen Kaffeehandelspartnern, leistet die gepa eine Vorfinanzierung bzw. vermittelt einen zinsgünstigen Kredit für die Genossenschaften.

Zu den Prinzipien des Fairen Handels gehören langfristige Geschaftsbeziehungen, die den Partnern eine verläßliche Planungsgrundlage ermöglichen. So werden die Kaufverträge über mindestens ein Erntejahr abgeschlossen; mit vielen Partnern vereinbaren wir darüber hinaus mehrjährige Rahmenverträge.

Verbindliche, im Einverständnis mit den Handelspartnern festgelegte Vereinbarungen gelten schließlich auch für die Preise: Gezahlt wird der an einem von beiden Seiten festgelegten Stichtag gültigen Weltmarktpreis plus ein Regelaufschlag von 10 US $ pro 100 amerikanischen Pfund Rohkaffee (= 45,36 kg) für Entwicklungs- und Ge-meinschaftsaufgaben, für Kaffee aus anerkannt biologischem Anbau zusätzlich ein `Bio-Aufschlag´ von 15 Dollar pro 100 amerikanischen Pfund.

Sinkt der Weltmarktpreis unter eine definierte Grenze, dann tritt automatisch die sogenannte Mindestpreisregelung in Kraft. Je nach Sorte und Qualität zahlt die gepa in diesem Fall 121 (Washed Arabica) bzw. 115 (Unwashed Arabica) Dollar. Dazu kommen wieder jeweils der 10- Dollar-Regelaufschlag sowie 15 Dollar für ökologisch angebauten Kaffee. Mit dieser Regelung ist gewährleistet, dass die Partner einerseits gegen Preisverfall abgesichert sind, andererseits aber von höheren Weltmarktpreises profitieren können.

Mit diesem Artikel beschreibt die gepa mbH (Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt ) Ziele und Grundsätze ihrer Arbeit

    –  für uns ein Grund, Ihnen ab sofort bei jedem Frühschoppen in St. Otto fairgehandelte Produkte zum Kauf anzubieten.

                Kreis`Leben in Einer Welt´             (Simone Marienfeld)

 

 


 Schreiben Sie uns

Ihre Wünsche und Anregungen an  klaus.bergenthal@t-online.de