Ugandas Frauen zwischen Tradition und Moderne

Dia Vortrag von Frau Jutta Burdorf-Schulz, Referentin beim Deutschen Entwicklungsdienst.

Die Frauengruppe hatte zu ihrem monatlichen Treffen (nicht nur Frauen) eingeladen.
Unser Thema im Oktober sollte uns genauer bekannt machen mit der Stellung von Frauen in einem Land mit anderen Gesellschafts- und Familienstrukturen, sowie anderen Traditionen.

Dieser Wunsch ging in Erfüllung nachdem es gelungen war eine Referentin zu gewinnen, die für vier Jahre mit ihrer Familie in Uganda lebte und als Entwicklungshelferin mit Frauen gearbeitet hat.

Einige Informationen und Notizen aus dem Vortrag von Frau Burdorf-Schulz
Der Titel der Veranstaltung weist bereits daraufhin, dass die Rolle der Frauen in Uganda einer breiten Spannbreite unterliegt. Sie ist geprägt von kulturellen und traditionellen Besonderheiten in der jeweiligen Region. Da gibt es die Frauen in der Stadt, die durch westliche Vorbilder beeinflusst, z.B. an einem modernen Arbeitsplatz, oder sogar als Mitglied in der Regierung tätig sind. Demgegenüber stehen die Frauen auf dem Lande, die durch sehr schwere und Zeit intensive Tätigkeiten ihren Arbeitstag verbringen und intensiver aus der Tradition heraus leben.
In allen ethnischen Gruppen nimmt jedoch die Familie eine tragende Rolle ein und sie regelt in der gleichen Gewichtigkeit, die z. B. staatliche Gesetze bei uns einnehmen, jegliches Zusammenleben in der Gesellschaft.
Dafür einige Beispiele:

  • Versorgung im Alter und bei Krankheit, sowie Hilfen in materielle Nöten sind selbst-    verständlich (keine Sozialversicherung, keine Bankkredite für Arme)
  • Weisungen und Ratschläge der Älteren, sowie Beschlüsse des Familienrates werden akzeptiert und befolgt.
  • Kinder zeigen Respekt und Anerkennung gegenüber den Eltern und generell den Erwachsenen.
  • Stirbt ein Familienvater, sind andere Familienangehörige in der Verantwortung die Ehefrau und Kinder mit zu versorgen.
  • Ehen werden im ländlichen Raum noch zwischen den Familien vereinbart, junge Frauen haben meistens kein Mitspracherecht.
  • Nach der Eheschließung gehört die Frau zur Familie des Mannes.
  • Der Mann ist das Oberhaupt der Familie und alle haben sich seiner Autorität unterzuordnen.
  • Die Einflussstellung der Frau ist stark davon abhängig, ob sie Kinder bekommt und nimmt im Alter zu. Ältere Frauen haben die Vormachtstellung vor den jüngeren Frauen und Kindern.
  • Bei allen positiven Funktionen der Familie, sind die Frauen im traditionellen Familiensystem keine gleichberechtigten Partnerinnen. 'Emanzipation der Frau' ist für die meisten Menschen in Uganda unvorstellbar.

Die Frauenrolle in speziell ländlichen Gebieten:
Die Frauen sind oft ärmer, weniger und schlechter gebildet, und verfügen über weniger Rechte als Männer. Zu den Ressourcen Land, Kapital und Bildung haben sie nur beschränkt Zugang. Häufig verfügen sie über sehr geringe Entscheidungskompetenzen im öffentlichen wie auch im privaten Leben und ihre produktive Leistung wird sehr gering eingeschätzt. In vielen ethnischen Gruppen haben sie kein Recht auf eigenen Besitz, sondern nur ein Nutzungsrecht.

Der Alltag von Frauen ist überwiegend bestimmt durch sehr Zeit intensive Arbeiten:
Arbeit auf dem Feld, Versorgung des Haushaltes mit Wasser und Brennholz ( bis zu 5 Std. tgl.), Kochen, Waschen, Kindererziehung, Pflege und Versorgung von älteren oder kranken Familienangehörigen, Herstellung von Haushaltsgeräten ( z.B. Krüge töpfern, Matten flechten), in vielen Fällen auch die Vermarktung der Produkte.
Frauen tragen die Hauptlast der Arbeit.

Worin besteht nun die Zielsetzung der Entwicklungsarbeit mit Frauen in Uganda?

Die Lebensverhältnisse von Frauen zu verbessern, ist deshalb ein generelles Anliegen der Entwicklungszusammenarbeit, auch der von nationalen Organisationen. Vorhandene Benachteiligungen von Frauen gilt es abzubauen und in Projekten Maßnahmen zu finden, die negative Auswirkungen auf Frauen vermeiden helfen. Dazu gilt es, die Lebensumstände zu verbessern, die Gründung von Selbsthilfegruppen und Frauenorganisationen zu fördern, sowie Bildungs- und Ausbildungsprogramme speziell für Frauen zu entwickeln und durchzuführen.
 

Dazu zwei spezielle Beispiele aus der Arbeit von Frau Burdorf-Schulz:

  • Eine Selbsthilfegruppe zum Aufbau einer Nähstube wird gegründet und eine gewisse Anzahl von Nähmaschinen (manuell, da kein Strom vorhanden) aus Europa werden zur Verfügung gestellt.
  • Eine Gruppe Landfrauen bekommen das Startkapital für Jungtiere zur  Aufzucht von Schafen oder Ziegen, die sie eigenständig vermarkten können.
     

Die lebensnahen Schilderungen von Frau Burdorf-Schulz wurden ergänzt durch eine gute Auswahl von Dias, die sie bei ihrer Arbeit und mit ihrer Familie zeigten. Es waren Bilder und Informationen, die uns Einblicke gaben, in einen Teil der Welt in dem Frauen ihren Alltag aus einer vollkommen anderen Stellung heraus bewältigen müssen, als wir sie in unserem Kulturkreis und unserer Generation vorfinden. Gelingt es deshalb Vergleiche zu ziehen? 
Im Anschluss an den Vortrag war Gelegenheit für alle im Gespräch noch einmal persönlich in diese, speziell für uns Frauen, doch so fremde Welt ein zu steigen, Fragen zu stellen, Gedanken zu äußern. Sicher gingen noch viele Fragen mit in persönliche Gespräche und mit auf den Heimweg. Wir danken an dieser Stelle nochmals sehr herzlich Frau Burdorf-Schulz für diesen sehr informativen Abend.
 

                  Maria Krüger, für die Frauengruppe St. Otto.

 


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