Wohin führt der Weg von St. Otto ?

 

Protokoll der Pfarrversammlung vom 9.03.03 in der Kirche St.Otto

 

Herr Großekettler eröffnet um 11.45 Uhr als stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstandes und Versammlungsleiter die Pfarrversammlung und begrüßt die ca. 180 Teilnehmer. Er stellt Herr Zabel, den Vorsitzenden des Pfarrgemeinderates und die Vorstandsmitglieder Herr Taegener und FrauBergenthal als Protokollantin vor. Er bezieht sich auf den Hinweis des Pfarrers, anlässlich des Neujahrsempfangs, über die anstehenden Veränderungen, die in unserer Gemeinde zu erwarten sind und nun bedingt durch die finanzielle Schieflage unseres Bistums seitens der Kirchenleitung schnell konkret werden sollen. Herr Großekettler gibt mit Hinweis auf die Pressemitteilung im Tagesspiegel vom Sonntag 9.3. seinem Bedauern Ausdruck, dass auch er fast ausschließlich auf Mitteilungen durch die Presse angewiesen ist.

( Beifall von den Teilnehmern )

Herr Zabel begrüßt alle Teilnehmer und informiert über das dem KV, dem PGR und Pfarrer Biskup vorliegende Schreiben des Generalvikars und über eine Presseerklärung des EBO (Erzbischöfliches Ordinariat ), beide vom 31.1.03. Diese stellen die hohe Verschuldung unseres Bistums klar, die bisher dafür erfassten Ursachen wie z. B. die schwierige Situation unseres Bistums nach der Vereinigung Deutschlands sowie die daraus entstehenden Konsequenzen in Form von geplanten Sparmaßnahmen durch Stellenabbau sowohl bei pastoralen Kräften als auch im nichtpastoralen Dienst.

Auch die Fusionierung von Gemeinden, für unsere Gemeinde ist die Fusion mit Herz Jesu Zehlendorf vorgesehen, soll bis Ende nächsten Jahres abgeschlossen sein. Herr Zabel erklärt wie eine Fusion konkret zu verstehen ist: zwei oder mehrere Gemeinden schließen sich zusammen unter einem Pfarrer, wählen eine gemeinsamen Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat und haben einen gemeinsamen Etat.

Seitens des Erzbischofs K. Sterzinsky von Berlin sind Gründe und Voraussetzungen dafür in einer Regelung der Schritte für das Zusammenwachsen mehrerer Gemeinden am 2.1.03 schriftlich mitgeteilt worden. Herr Zabel zitiert diese Gründe:

 

  • Konzentration für eine effektive Pastoral
  • Einsparung von Finanzen sowie
  • die Entlastung des Pfarrers von der Teilnahme an den Gremiensitzungen mehrerer Pfarrgemeinden

 

Unumgänglich ist eine sofortige Aufhebung einer Gemeinde und ihre Eingliederung in eine andere unter folgenden

Voraussetzungen:

 

  • Die Eucharistiefeier kann auf absehbare Zeit nicht mehr regelmäßig an jedem Sonntag aufrecht erhalten werden.
  • Die Weitergabe des Glaubens an die nachfolgende Generation ist aus Mangel an Kindern und Jugendlichen nicht mehr möglich.
  • Die Gottesdienstgemeinde deckt sich faktisch mit den Mitgliedern der Gemeindegremien ( KV+PGR ) oder beide Gremien sind in ihrer Mitgliedschaft identisch.
  • Die Gewinnung der notwendigen Mitglieder des Kirchenvorstandes und des Pfarrgemeinderates, die auch eine Sachkompetenz besitzen, ist nicht möglich.

 

Herr Taegener erläutert den Teilnehmern der Pfarrversammlung ein vom Vorsitz des PGR, Herrn Großekettler, Pfarrer Biskup und Alexander Obst, dem Pastoralreferenten für das Dekanat Steglitz/Zehlendorf, entworfenes Arbeitspapier für die möglich Zukunft von St. Otto,

- Wohin führt der Weg von St .Otto? -  (siehe Anlage 1).

Vor dem Austausch der Teilnehmer weist Pfarrer Biskup noch mal auf die Varianten B1 und B2 hin, um die seiner Meinung nach schwierige Situation der jeweils eingegliederten Gemeinde zu erklären.

Zur Verdeutlichung der Finanzkraft der Gemeinde gibt Pfarrer Biskup Auskunft über das Vermögen der Gemeinde. Der Verein der Freunde von St. Otto könnte seiner Meinung nach die Gemeinde bei der Finanzierung nichtpastoraler Arbeitskräfte auf Honorarbasis unterstützen.

 

Herr Großekettler ermuntert nun zum Austausch bzw. zu Fragen, die von den Teilnehmern noch geklärt sein möchten.

Es stellt sich die Frage nach den zeitlichen Möglichkeiten, den Prozess der Fusion bzw. der Durchsetzung einer Eigenständigkeit noch mitbestimmen zu können, sowie nach der Situation der Pfarrer, die am Ende verschiedener Fusionsprozesse übrigbleiben müssten. Da aber über 50% aller Pfarrer im Bistum schon das 60ste Lebensjahr überschritten haben, ergibt sich laut Pfarrer Biskup daraus sicher kein Problem. Herr Großekettler verweist auf das Treffen am 21.3. mit dem Generalvikar und meint am Beginn eines Prozesses zu stehen. Er gibt darüber Auskunft, dass 300 Stellen in den Gemeinden und 140 Stellen in der Verwaltung abgebaut werden sollen.

 

Von verschiedenen Teilnehmern wird völliges Unverständnis geäußert über die unprofessionelle Informationspolitik der Verantwortlichen des Bistums, deren feudalistische Entscheidungsart, was die geplanten Fusionen von blühenden Gemeinden betrifft, aber auch, dass laut Tagesspiegel vom 9.3. die Verursacher dieser schweren Finanzkrise wieder im Steuerungskreis sitzen, der jetzt über die Sparmaßnahmen beschließen soll.

Immer wieder stellt sich auch die Frage nach dem Profil unserer Gemeinde. Wichtig erscheint der Eigenbeitrag jedes einzelnen Gemeindemitgliedes.

Bedenken werden wegen der unterschiedlichen Profile der Gemeinden hinsichtlich einer Fusion mit der Herz Jesu Gemeinde geäußert, sowie wegen der Finanzierung nichtpastoralen Personalkosten durch Honorarverträge und der wirtschaftlichen Kosten bei Modell A.

Deswegen stellt sich die Frage nach dem Immobilienbesitz der Gemeinde. Dieses stellt sich nach den Ausführungen von Pfarrer Biskup wie folgt dar: die Gemeinde St. Otto ist rechtlich gesehen eine Körperschaft der Kirche , Pfarrhaus, Gemeindehaus und die Grundstücke gehören. Eine Enteignung sei seiner Meinung nach nur durch den Bischof möglich, wobei aber nach Auskunft eines Gemeindemitgliedes die 100%ige juristische Sicherheit durch Immobilien geklärt werden müsste. Es wird aber auch geäußert, dass Entscheidungen über die Zukunft unserer Gemeinde schon längst an höherer Stelle gefällt wurden.

Auf die Frage nach der Aufteilung der Sonntagsgottesdienste auf die Gotteshäuser der fusionierten Gemeinden St. Otto und Herz Jesu, hält Pfarrer Biskup zwei Gottesdienst am Sonntag in Herz Jesu und einen Gottesdienst in St. Otto für die ersten Jahre möglich, wobei es dann vermutlich zu einer Abstimmung mit den Füßen kommen würde. Der Standort St. Otto wäre auch dann noch notwendig, weil die Gemeinde Herz Jesu räumlich sehr begrenzt ist.

 

Tief betroffen zeigt sich ein Gemeindemitglied von der ganzen Finanzmisere, aber auch der Tatsache wie damit von den Mitverantwortlichen umgegangen wird und stellt die Frage:

„Sollte die Kirche nicht für die Menschen da sein und nicht umgekehrt?“

Auf Grund beruflicher Erfahrung unterstreicht ein Teilnehmer in seinem Votum für Modell A die Möglichkeit der Eigenständigkeit durch bestimmte Finanzierungsmodelle, wie sie in Asien und den USA schon durchgeführt wurden.

Gegen Ende der Aussprache wird angeregt sich auf anstehende Verhandlungen über die Zukunft unserer Gemeinde „McKinseyartig“ vorzubereiten, die Gemeinde in Zahlen darzustellen, Gemeindemitglieder mit finanziellem und juristischem Sachverstand grobe Finanzierungsmodelle aufstellen zu lassen und

auch Gegenargumente für zu erwartende Argumente des EBO`s zu formulieren.

Zum Schluss wird daran erinnert, dass St. Otto einen nicht zu unterschätzenden Einsatz von Ehrenamtlichen in der Kinder- und Jugendarbeit bringt, diese Kinder und Jugendlichen aber sind die Kirchensteuerzahler von morgen.

Herr Großekettler schließt die Aussprache mit dem gewonnenen Eindruck, dass emotional die Lösung A von den Teilnehmern favorisiert wird. Wenn aber eine Fusion als realistische Lösung angesehen würde, sollte auf diese mit dem Ziel zugegangen werden, zu erhalten, was beide Gemeinden ausmacht.

 

Danach folgt die Abstimmung über die verschiedenen Lösungen, um auch ein Meinungsbild der Teilnehmer zu bekommen, die nicht zu Wort kommen konnten.

  • Die Mehrheit stimmt für Modell A.
  • Etwa ein Drittel aller Teilnehmer der Pfarrversammlung votiert für Modell B1.
  • Für Modell B2 gibt es keine Stimme,
  • für Modell C 3 Stimmen.

Ende der Pfarrversammlung ca. 13.00 Uhr

Christel Bergenthal  

Anlage zum Protokoll der Pfarrversammlung vom 9.03.03
in der Kirche St.Otto

Wohin führt der Weg von St. Otto ?

Das Positionspapier des Erzbischofs vom 2. Januar 2003 zur Regelung der Schritte für das Zusammenwachsen mehrerer Gemeinden sieht vor, dass die für das Dekanat Steglitz/Zehlendorf vorgesehenen Zusammenlegungen - darunter auch die Fusion der Gemeinden von St. Otto und Herz Jesu - bis zum 31. Dezember 2004 erfolgen sollen. Auf eine demokratische Willensbildung , d.h. die freie eigene Entscheidung einer betroffenen Gemeinde für oder gegen eine Fusion kommt es nicht an. Nach dem Papier vorgesehen ist aber eine "Absprache mit den betroffenen Gemeinden". Auch soll es die Anhörung von Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat geben, wenn eine Zusammenlegung auf Schwierigkeiten stößt. Aus diesem Grund liegt es nahe, dass eine lebendige und sehr aktive Gemeinde wie St. Otto nicht geduldig das abwartet, was auf sie zukommt. Sie tut gut daran durch die Diskussion in einer Pfarrversammlung und in den Gremien von Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand nach außen vernehmbar zu einem Votum zu kommen, welchen Weg die Gemeindemitglieder für die künftige Entwicklung von St. Otto favorisieren.

Modell A: St. Otto bleibt eigenständige Gemeinde:

in der Bistumsplanung bislang nicht vorgesehen.

  • setzt voraus, dass aufgrund der Zusammenlegung von Gemeinden im Bistum verfügbare Priester übrig bleiben und somit Pfr. Biskup die Gemeinde weiter leiten kann.
  • bietet sich an, weil sowohl Herz Jesu als auch St. Otto eine große Zahl von Gottesdienstbesuchern wie auch aktiven Gemeindemitgliedern aufweist, es insoweit keine Fusionsnotwendigkeit wie bei vielen kleineren Gemeinden gibt.
  • bietet sich an, weil sich zahlreiche außerhalb des Gemeindegebietes wohnende Gemeindemitglieder bewusst für die Zugehörigkeit zu St. Otto entschieden haben.
  • die bisherige Prägung des liturgischen Lebens, der Gemeindearbeit und Gruppenaktivitäten bleibt erhalten.
  • wesentliche Veränderung: Da für nichtpastorale Dienste vom Bistum keine Personalmittel mehr zur Verfügung gestellt werden, müsste St. Otto auf ehrenamtliche Tätigkeit zurückgreifen und auf Honorarkräfte. Die Zahl der Jahre einer Leitung der Gemeinde durch Pfr. Biskup ist, wenn auch gegenwärtig nicht genau abschätzbar, begrenzt.

Modell B: St. Otto fusioniert mit Herz Jesu:

Fusion bedeutet: Es gibt einen einzigen neu gebildeten Kirchenvorstand, ebenso Pfarrgemeinderat. Das Vermögen der Gemeinden geht im Vermögen der fusionierten Gemeinde auf. Allenfalls kann ein zweckgebundener Sonderfonds gebildet werden.

  • Das Gemeindehaus von St. Otto bleibt, weil dringend benötigt, erhalten.
  • Die fusionierte Gemeinde verfügt nach aktuellem Stellenplan noch über eine Gemeindereferentin, einen Küster und eine Reinigungskraft.

Variante 1: Die fusionierte Gemeinde wird von Pfr. Biskup geleitet.

das Gemeindeleben der fusionierten Gemeinde erhält seine Prägung aus dem, was in St. Otto entstanden und gewachsen ist.

  • die fusionierte und so geprägte Gemeinde steht weitgehend im Einklang mit der Wohngebietszugehörigkeit ihrer Mitglieder.

Variante 2: Die fusionierte Gemeinde wird von Pfr. Rudolph geleitet.

  • es ist schwer vorstellbar, dass sich die Gemeinde von St. Otto in dieser Gemeinde wiederfindet.

Modell C: St. Otto fusioniert mit Herz Jesu unter der Leitung eines neuen Pfarrers:

Vorstellung der Bistumsleitung,

  • aber wem will sie das Amt antragen?
  • könnte Modell der Zukunft mit neuen Entwicklungschancen sein.
  • die fusionierte Gemeinde erhält ein ganz neues Gesicht.
  • alle engagierten Gemeindemitglieder sind herausgefordert, ihren Teil zum Entstehen einer lebendigen neuen Gemeinde zu leisten.
  • es besteht das Risiko der Fluktuation von Gemeindemitgliedern zu benachbarten Gemeinden, wenn der neue Pfarrer zu wenig den Erwartungen entspricht.

 

Martin Taegener, 9.3.2003

 


 Schreiben Sie uns

Ihre Wünsche und Anregungen an  klaus.bergenthal@t-online.de