Feuer und Flamme in Zinnowitz

Es war eine stürmische, wolkenverhangene Nacht. Nur das Peitschen des Windes, das Knacken der schweren Tannen und das Knistern des Feuers in unserer Mitte, das wir mit viel Mühe entzündet hatten. Plötzlich hörten wir aus der Dunkelheit eine Stimme, mahnend, aber wohl bekannt, die das Schweigen der Nacht durchbrach: „Ihr könnt doch hier kein Feuer machen!“. Wir schauten uns um, bemerkten den nicht unwesentlichen Funkenflug und mussten zugeben: „Hast Recht, Jutti“. Dies war wirklich nicht der passende Ort für ein Lagerfeuer.

Mit hängenden Köpfen zogen wir von dannen, da wir das Stockbrot nun im Ofen backen mussten. Dies sollte jedoch die einzige Enttäuschung unserer Fahrt nach Zinnowitz bleiben.

Begonnen hatte die Reise am 30.04. 2003, als sich 16 tapfere jung gebliebene Gruppenleiter im Alter von 17 bis 40+ Jahren und ein Edelstahlgrill am Bahnhof Zoo versammelten. Nach anfänglichen Unstimmigkeiten wurde auch der Grill als vollwertiges Mitglied der Gruppe akzeptiert und in die Tagesplanungen mit einbezogen.

Nachdem wir die Anfahrt mit all ihren Gefahren hinter uns gebracht hatten und vollzählig im

St.-Otto-Heim angekommen waren, ließ sich keiner die Erschöpfung anmerken. So brachen wir unverzüglich zu einer kleinen Nachtwanderung zum Meer auf, wo sich die Mutigsten unter uns in die Fluten stürzten. (Sie waren aber auch genauso schnell wieder draußen!)

Dies war schon ein kleiner Vorgeschmack auf den morgendlichen Thermenbesuch von 6.00-8.00 Uhr. Volltreffer, wir hatten den Kaltbadetag erwischt!

Manche behaupten noch heute, sie seien gegen einen Gletscher geschwommen. So war es auch nicht verwunderlich, dass die heißen Duschen und (Schlaf-)Liegen Ballungszentren der jüngeren Gruppenleiter waren, während Jutta Blümel eisern ihre Runden drehte. Gut ausgeschlafen verabschiedeten wir uns von den Pinguinen und begaben uns zum Fahrradverleih, um sportlich die Insel zu erkunden. Unsere Route führte uns über hügelige Waldwege, sandige Pfade und asphaltierte Straßen nach Peenemünde auf dem zweitkürzesten Weg, was aber der Stimmung keinen Abbruch tat. Dort zelebrierten wir das traditionelle Jutti-Picknick, eine stets bunte Mischung aus allem. Damit auch die Bildung nicht zu kurz kam, wurden wir danach mit modernstem Medieneinsatz über die Geschichte Peenemündes informiert. Dann bekam jeder quengelnde Gruppenleiter noch ein Eis und war wiederum für die Rückfahrt gestärkt.

Das Fahrrad war aber nicht unser einziges Fortbewegungsmittel.

Weiter ging es am nächsten Tag mit der Fähre nach Koserow. Der anfänglich noch strahlende Sonnenschein verleitete uns zu einem ausgedehnten Spaziergang am wunderschönen Strand von Usedom entlang nach Zinnowitz zurück, jedoch nicht ohne vorherigen Abstecher zum örtlichen „Fischmarkt“.  Doch unterwegs kam es, wie es kommen musste, und so hätten wir beim abendlichen Grillen nicht nur die Würstchen, sondern auch unsere nassen Sachen übers Feuer hängen können.

Wer jetzt immer noch meint, das kann doch nicht alles gewesen sein, dem sei gesagt, es nimmt eine ganze Menge Zeit in Anspruch, mit nassem Holz einen Grill anzuschmeißen, Fußball zu spielen oder sich in gemeinsamer Runde in nächtlichen Diskussionen zu verlieren und eine Menge Spaß zu haben.

Einen herzlichen Dank an alle, die diese Reise in jeglicher Form unterstützt haben, vor allem aber Jutta Blümel, die es wieder einmal geschafft hat, 15 junge Erwachsene für fünf Tage restlos glücklich zu machen.

                      Alexander Schmidt und Martin Lange

 


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