„turmbau nicht nur in babel"

 und die männer sprachen:
       auf lasst uns eine Stadt bauen
       und einen phallischen turm
       der aufragt bis in den himmel!
       ein triumphierendes zeichen soll er werden
       unserer herrenmacht über die welt!

und die führer der konzeme und Völker sprachen:
       auf lasst einen wirtschaftsraum uns planen
       von einem ende des himmels zum ändern!
       so werden wir einen Namen uns machen
       und niemand mehr wird der macht
       des globalen markts widerstehen!

und die forscher sprachen:
       auf lasst fabriken und laboratorien uns bauen
       wo der fortschritt allein als gesetz gilt
       wo keine vorschriften kleinlich behindern!
       so werden wir das leben in griff bekommen
       bis in die zell- und atomkerne hinein

und die normalverbraucher sprachen:
       auf lasst den fortschritt
       nur unentwegt weiter fortschreiten
       damit er den erdenball noch weiter erschliesse
       und dessen enorme ressourcen noch besser
       für uns verfügbar mache!

und die Christen sprachen:
       auf lasst eine weltkirche uns errichten
       die urbi et orbi bezeugt
       dass wir es sind
       die die Wahrheit und das letzte wort haben
       auf diesem planeten!       

da aber fuhr jahwe hernieder um zu beschauen
       was die menschen da planten da trieben
       und er verwirrte ihre gemeinsame sprache
       und er zerstreute sie alle so dass
       sie aufhören mussten weiter zu bauen.

 

(in: Kurt Marti, gott gerneklein, gedichte, Stuttgart 1995,28f):

 


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